Auf den Spuren der Sikh Gurus

06.08.2017

Punjab ist spannend. Der relativ kleine Staat im Norden Indiens hat nicht nur eine gut organisierte Landwirtschaft, sondern auch eine aufregende Geschichte. Viele Kämpfe haben hier stattgefunden und viel Blut wurde hier vergossen. Die Sikh sind stark und schön und halten ihre Geschichte lebendig, indem sie überall Gurudwaras und Museen errichten. Ein faszinierendes Land mit interessanten Leuten und Kultur. Während ich auf den Spuren der Sikh – Gurus unterwegs bin, besuche ich viele Schulen und halte Vorträge über den Zusammenhang von Global Business und Menschenrechten.

 

Die Schüler sind toll. Das Konzept von Abenteuer und Education funktioniert super. Ich arbeite mit verschiedenen NGOs und unterstütze Medical – Checkup – Camps, Blood – Donation – Camps, mache eine Fahrraddemo für Umweltschutz, spreche mit vielen Menschen über Menschen- und Tierrechte und besuche die Menschen in den Dörfern, um über organic Farming zu sprechen. In der Universität Patiala stehe ich mit den Prominenten Billu Dhillon, Kanwar Grewal und vielen mehr auf der Bühne und spreche mit 5000 Menschen über mein Projekt.

 

Viele Leute erkennen mich auf der Straße, weil die Printmedien regelmäßig über mich berichten und ich im PTC Discovery Channel und ein paar kleinen Regionalsendern zu sehen bin. Ich bin leicht zu erkennen mit meinem Haar und dem grünen Rad. Die Leute machen Fotos mit mir und manche laden mich direkt auf der Straße in ihre Schulen ein, um Vorträge zu halten. Ich bin dankbar und glücklich und in vielen Schulen unterwegs. Die Schulen sind sehr unterschiedlich. Manchmal kann ich vor 2000 Schülern sprechen, manchmal sind die Schulen sehr kleine Dorfschulen mit 150 Schülern. Jede Schule ist anders und ich genieße jede Sekunde mit den Schülern, die mich und mein Projekt ebenfalls spannend finden.

 

Ich treffe den Big – Turban – Man, der hohes Ansehen in der Bevölkerung genießt und den Menschen Lebenshilfen gibt. Er trägt einen 80 kg Turban mit zahlreichen Kopfschutzringen, ein Schwert und seine 10 Armreifen wiegen jeweils 1 kg. Viele Frauen sind heute ebenfalls gekommen, um ihm wichtige Fragen zu stellen. Eine von ihnen hat bereits sieben Töchter und fragt ihm nach einem Sohn. Als Antwort gibt’s einen gesegneten Apfel und ein paar Segenssprüche. Eine Andere hat Eheprobleme... Ich habe keine Fragen an ihn, bekomme aber auch einen Apfel – zum Essen.

 

Auf meinem Weg begleiten mich immer wieder Radfahrer aus allen Teilen der Welt. Mal sind es Kinder, mal Männer, selten haben sie gute Räder und meistens klappern und quietschen sie mit ihren einfachen Rädern neben mir her. Manchmal machen sie kleine Sprints um mich zu überholen und mir zu zeigen, wie stark sie sind. Manchmal habe ich Leute ein paar Kilometer an meiner Seite für ein nettes Gespräch. Ich mag das sehr. Auf einer Landstraße im Nirgendwo überholt mich ein Mann, der wie ein Triathlet auf seinem Rad liegt!! Ich bin ehrlich überrascht. Über seinem Lenker hat er eine Wolldecke, unter der sich ein paar Wasserflaschen befinden und über seinem Sattel ist ebenfalls eine Wolldecke.. So liegt er mit den Ellbogen auf seinem Lenker und pedaliert in Ruhe an mir vorbei. Haha wie toll. Ich bin ehrlich beeindruckt. Wir überholen uns ein paarmal gegenseitig, weil wir eine ähnliche Reisegeschwindigkeit haben und nach 20 gemeinsamen km gibt’s die erste Pause. Er ist ein richtiger Radfahrer und will heute noch 80 km weiter fahren.. Er überrascht mich schon wieder. Er spricht nur Hindi und mein Hindi ist sehr schlecht, aber wir verstehen uns prima. Er ist in meinem Alter und fährt öfters die Strecke... dachte ich mir schon... Am Ende fahren wir 80 km zusammen, machen gemeinsam Pause im Schatten, teilen unser Essen und genießen die gemeinsame Zeit.

 

In Dhuri ist gerade der Eco – Train, eine fahrende Ausstellung zum Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Ein tolles Projekt, das den Menschen Education in ihre Stadt bringt. Der Zug hält in verschiedenen Städten für ein paar Tage und fährt ein paar Monate durch Indien. Es ist bereits die zweite Tour durchs Land. Die Menschen sind interessiert an dem Zug und kommen zahlreich in die Ausstellung, die kostenlos besichtigt werden kann. Ich stehe mit vielen Menschen in der Schlange, um hineinzukommen. Toll. Die Themen sind übersichtlich gegliedert und zur Schau gestellt. Zu jedem Thema stehen mehrere Helfer bereit, die nicht nur für Ordnung sorgen, sondern sich auch mit den Themen gut auskennen und den Leuten die Fragen beantworten. Ich bin begeistert.

 

Meine Idee ist es, von Gujarat aus ein Boot nach Africa zu nehmen und so fahre ich also von Punjab aus nach Rajasthan Richtung Gujarat. Rajasthan ist wunderschön. Die Landschaft ist sandig und viele schlanke Frauen in grünen Röcken, roten Dhupattas und strahlendem Lächeln leben hier. Ich treffe die organic Farmers für Channa und lerne über Regenwassertanks und dass manche Bäume hier bis zur Hälfte eingegraben werden, um sie vor der Hitze zu schützen. Das Grundwasser ist salzig und die Farmer haben riesige Regenwassertanks, aus denen das Wasser nicht nur getrunken wird, sondern auch zur Bewässerung der Felder eingesetzt wird.

 

Zahlreiche Kamelkarawanen kreuzen meinen Weg und alles ist spannend und schön in der Wüste von Rajasthan. Trotzdem bin ich irgendwie traurig. Ich bin auf einer tollen Reise in einem aufregenden Land und um mich herum ist alles interessant, aber ich kann nicht weiterfahren. Ich habe Heimweh nach Indien, obwohl ich es noch nicht einmal verlassen habe. Ich lerne wieder einmal, dass ich es nur kann, wenn ich es auch wirklich will. Also bin ich ehrlich zu mir selbst und finde heraus, dass ich noch länger in Indien bleiben möchte. Ich bin noch nicht zufrieden, bin noch nicht fertig geworden mit dem Radfahren in Indien. Aber es gibt eine Lösung. Ich ändere meine Richtung und fahre einfach nach Nepal, um noch einmal ein Visum für Indien zu beantragen.

 

Nachdem ich meine Fahrtrichtung geändert habe, steigt die Laune sofort und ich singe wieder auf dem Rad.. haha. Auf geht’s nach Nepal!




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