Mopeds mit Sonnenschirmen

China

11.09.2016

Es ist gar nicht so einfach, nach China hineinzukommen. Das Visum muß man vorher organisieren, denn die Chinesen mögen keine Überraschungen. Mein Gepäck wird komplett gecheckt und weil mein Pass zuviele Stempel hat, verschwindet der Officer in einem Büro und kommt auch erstmal nicht wieder heraus. Trotz Aircondition fange ich an zu schwitzen und fantasiere schon, wie sich mich hierbehalten. Knast in China.. zu auffällig und ab ins Gefängnis.. Und dann die Tattoos. Auweia ich hab vergessen, die Armstulpen überzuziehen. Nach einer Stunde kommt der Officer wieder aus dem Büro und ich darf einreisen... Dankeschön.

Ich bin im Süden Chinas in der kleinen Grenzstadt Dongxing. Ruhig und modern ist es hier. Ein Junge auf einem Roller mit Sonnendach kommt auf mich zu. Das Sonnendach ist himmelblau und hat weiße Rüschen. Er spricht kein Wort englisch und ich kein chinesisch, aber wir unterhalten uns ein wenig. Also ich spreche und er hört mit offenem Mund zu. Dann versuche ich, einen ATM und eine Telefonkarte zu finden und er fährt mir hinterher. Er verfolgt mich bei meinem Weg kreuz und quer durch die Stadt. Als ich im Telefonladen bin und mir eine SIM Card für China kaufen möchte, steht er plötzlich hinter mir im Laden. Weil die Verkäuferin mir keine SIM Card verkaufen darf, zieht er spontan seinen Ausweis aus der Tasche und versucht, eine Karte für mich zu kaufen. Aber das ist leider verboten. Naja dann gehts halt ohne Telefonkarte durch China. Ich bedanke mich bei meinem neuen Freund und darf nun alleine weiterfahren.

Das Internet in China funktioniert nur mit einem VPN Service, der manchmal sogar funktioniert, aber die Daten werden sehr langsam übertragen. Internet macht nicht wirklich Spaß in China, was die Chinesen aber offensichtlich nicht so stört. Statt Facebook hat hier jeder WeChat auf dem Phone und genau wie im Rest der Welt stehen die Chinesen auf Selfies, die sofort hochgeladen werden.

Die Landstraßen in China sind sehr sehr schlecht und die Dörfer einfach. Sobald man aus einer größeren Stadt heraus ist, befindet man sich im Dreck auf schlechten Straßen mit viel Staub und Schlaglöchern. Einmal bin ich in einer 20 km langen, nicht enden wollenden Baustelle mit Sandstraße. Ein Albtraum. Zum Glück ist es sonnig und heiß, so dass der Sand einfach nur staubt und ich über die Schlaglöcher und Steine holpere, aber nicht auszudenken, wenn es regnet.. eine einzige Schlammpiste. Der totale Gegensatz zu den Städten, in denen große Straßen, riesige Kreuzungen, Wolkenkratzer, Kunst, moderne Autos, unzählige Mopeds und viel buntes Licht alles zu einer Bling Bling Glitzerwelt machen.

Und ob nun Klein- oder Großstadt, die Märkte sind überall interessant und bieten viel frisches Gemüse und Früchte, Tofu, Nüsse, Reis und Nudeln, aber leider auch viele Tiere in kleinen Käfigen. Sogar Katzen in kleinen Käfigen werden zum Kauf angeboten, obwohl angeblich keine Katzen gegessen werden, weil das Fleisch nicht gut für die Menschen ist. Aber auch Schlangen, Schildkröten, Hühner, Frösche und Hunde werden hier zum Kauf angeboten. Ich versuche, die Stände der Tierverkäufer zu vermeiden, aber es gelingt mir nicht immer. Weil die Verständigung so schwierig ist und ich auch die Schriftzeichen nicht lesen kann, weiß ich nicht, ob es eine vegane Szene in China gibt, aber ich finde veganes Streetfood in jedem Kaff und in Nanning ein veganes Restaurant.

Bei einem Stadtspaziergang in einer Kleinstadt komme ich an einem Friseurladen vorbei. Der Friseur kommt heraus und fängt auch gleich an, Fotos von mir zu machen. Er ist ganz begeistert von meinem Haar, denn Dreads gibt es in China einfach nicht. Die Leute haben alle schwarzes, glattes Haar und die Friseure spielen gerne mit knalligen Farben, aber so richtig ausgefallen ist es eigentlich nicht. Also zeige ich meinem Friseur in seinem Laden, wie er Dreads herstellen kann. Ich hole meine Häkelnadel aus der Tasche und mache seiner Kollegin einen schönen Dread. Er ist ganz begeistert und ich schenke ihm zum Abschied die Häkelnadel. Vielleicht gibt es in China auch bald Dreadheads..

In Beihai gibt es einen wunderbaren Strand. Ich bin gerne hier und beobachte die Leute. Die Damen tragen schicke Bikinis oder Minikleider in knallbunten Farben und die Herren dunkle Badehosen mit geradem Bein. Die Leute haben einen liebevollen Umgang miteinander. Es gibt Paare, die Hand in Hand spazieren!! Und weil es die Ein-Kind-Ehe gibt, sieht man auch viele Eltern, die mit ihren Kindern spielen. Auf den Mopeds wird sich umarmt und geredet und in den Vierteln gibt es zahlreiche Basketballfelder, die in den Abendstunden von der Nachbarschaft bespielt werden.

Leider sprechen die Chinesen wirklich kaum englisch und ich kein chinesisch, also ist das mit der Kommunikation etwas schwierig. So richtig unterhalten kann ich mich aber doch in Nanning mit meiner neuen Freundin Daimao. Wir verbringen ein paar Tage gemeinsam und ich lerne viel über die Chinesen. Sie hat eine Ukulele und zeigt mir, wie sie spielen und singen kann. Ich bin sofort begeistert und kaufe mir auch eine Ukulele. Daimao zeigt mir die wichtigsten Dinge und gibt mir eine gute Starthilfe für die kleine Gitarre. Ich übe fleissig und nach 10 Tagen kann ich meinen ersten Song spielen. Eher schlecht als recht, aber immerhin komplett mit Gesang.

Nun ist es Zeit für ein neues Land. Es gibt so viele Möglichkeiten und ich brauche eine ganze Weile, bis mein Plan steht. Ich möchte gerne nach Myanmar. Und weil ich das mit einer Fahrradreparatur in Bangkok verbinden kann, führt mich mein Weg über Vietnam, Laos nach Thailand, um einen neuen Antrieb zu kaufen und das Visum für Myanmar und Indien zu besorgen. BokBokBike wird der letzte Fahrradladen mit Rohloff Service auf den nächsten 20.000 km sein, also ist der Plan ein guter Plan. Auf gehts.




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