Über Siem Reap nach Phnom Penh...

Kambodscha

19.06.2016

Ich fahre von Thailand über die Grenzstation Poi Pet nach Kambodscha. Für 30 Dollar gibt’s hier ein Touristenvisum für 30 Tage. Im bin von mehreren Leuten gewarnt worden, dass die Officers an dieser Grenze gerne mal 50 Dollar nehmen, aber ich habe Glück und zahle nur 100 Baht Bakschisch. Die Grenzstation ist unübersichtlich und viele Leute fahren und schieben mit irgendwelchen Sachen durch die Gegend. Es ist für mich zuerst gar nicht klar erkennbar, wo ich denn nun meinen Einreisestempel bekomme, weil das Immigration Office nur eine kleine Bude in einiger Entfernung zur Visastation ist.

Poi Pet ist eine geschäftige Kleinstadt mit viel Sand in den Straßen. Es ist Monsun und zu der Hitze gibt’s jetzt jeden Tag auch viel Regen und Gewitter. Ich hole mir ein paar Riel aus dem ATM und bin überrascht, dass es hier auch Dollar im Automaten gibt. Tatsächlich wird hier alles mögliche mit Dollar bezahlt und die eigentliche Landeswährung Riel nur auf dem Markt verwendet. Auf dem Weg nach Siem Reap komme ich durch viele kleine Dörfer und Städte. Die Leute sind richtig toll in Kambodscha. Alle 5 Minuten ruft jemand „Hello“ mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Ich freue mich sehr über diese herzliche Begrüßung und fühle mich sehr Willkommen in Kambodscha.

Die Häuser auf dem Land sind überwiegend auf Stelzen gebaut. Es wird im Haus und auch darunter gelebt, denn unter dem Haus ist Wind und Schatten. Perfekt für den Tag. Hier gibt es Küchen, Hängematten, Werkstätten, Motocycles, alles Leben findet unter dem Haus statt. In der Nacht geht’s dann zum Schlafen ins Haus. Aber nicht alle Häuser können auch bewohnt werden. Manchmal sind die Häuser schon sehr alt und einsturzgefährdet. Viele Menschen sind arm und so leben manche Familien komplett unter ihren Häusern, weil sie sich keine Sanierung leisten können.

Von Siem Reap aus besuche ich die Tempelanlagen von Angkor Wat. Es ist sagenhaft schön. Als ich Angkor Wat betrete muss ich weinen, weil ich so gerührt bin. Die Tempelanlagen sind steinalt und unglaublich schön. Ich komme mir so klein vor und bin glücklich und dankbar, dass ich es mit meinem Fahrrad geschafft habe, diesen Ort zu erreichen. Den ganzen Tag fahre ich mit meinem Rad umher, klettere in den Tempeln die vielen Stufen rauf und runter. Teilweise sind die Stufen sehr schmal und hoch, so daß ich an einigen Tempeln auf allen Vieren hoch- und runterklettern muss. Ta Prohm ist für mich die schönste Tempelanlage, weil hier viele sehr große Bäume ihre Wurzeln in die Bauwerke geschlagen haben. Ich fühle mich wie im Märchen. Ein Traum.

Von Kampong Thom aus fahre ich zu den Tempeln von Sombor Prei Kuk. Dies ist eine Stätte mit noch älteren Tempeln und noch mehr Wald. Es ist nicht so bombastisch wie Angkor Wat und deswegen sehe ich den ganzen Tag keinen Touristen. Es ist wunderschön. Auf meinem Weg dorthin zeigt mir mein Navi einen schönen Weg über die Dörfer. Zuerst bin ich auf einer geteerten Straße, die dann zu einem roten Schotterweg wird. Toll ist es hier. Die Kinder gehen gerade zur Schule in ihren schneeweißen Hemden und schwarzen Hosen und Röcken. Und alle lachen und grüßen. Schön. Der Weg wird immer schmaler und irgendwann zu einem Weg und am Ende zu einem Pfad... Hier fährt auch kein Motocycle mehr. Ich stecke im Sand und komme kaum vorwärts. Also runter vom Pfad und ab durchs Gebüsch. Nach 3 Km gibt’s wieder einen Schotterweg. Zum Glück. Erst hinterher wird mir klar, dass das irgendwie nicht so gut war, hier durchs Gebüsch zu fahren. In Kambodscha liegen immer noch viele Landminen herum und jeden Tag wird eine Person durch Landminen verletzt oder getötet. Tatsächlich kann man viele Leute mit Amputationen sehen.

Im Osten des Landes befindet sich das Elephant Valley. Ein Ort, der mit Hilfe von vielen Volunteers mit viel Liebe und harter Arbeit entstanden ist. Hier werden alte und verletzte Arbeitselefanten betreut und gepflegt. Die Elefanten können sich frei bewegen und Elefantenritte sind hier verboten. Die Volunteers helfen vor allem bei der harten Arbeit im Reservat und dem Waschen der Elefanten. Ein tolles Projekt im Dschungel von Kambodscha.

In Phnom Penh beantrage ich das Visum für China. Weil das ein paar Tage dauert, habe ich Gelegenheit, die Stadt näher kennenzulernen. Phnom Penh ist wunderschön. Die Leute sind nett, es gibt viele schöne Tempel und jeden Abend open sports in den Parks und am Mekong. Es gibt ein paar vegetarische Restaurants aber Vegan ist hier kein Thema. Einen Abend habe ich ein nettes Gespräch mit einer Frau. Ihre Schwester will demnächst nach Deutschland und ist schon ganz aufgeregt. Also fragt sie mich, ob ich mit ihr gehen würde, um der Schwester ein paar Fragen zu beantworten. Klar mach ich.

Also fahren wir zu ihr und ich rede auch mit der Schwester, ich bekomme etwas zu Trinken und am Ende hocke ich mit den Leuten in einem kleinen Zimmer und spiele Black Jack. Auweia. Ich habe das letzte Mal in meiner Kindheit Black Jack gespielt. Na jedenfalls gewinne ich und irgendwie werden die Einsätze immer höher. Am Ende liegen 150.000 Dollar auf dem Tisch und ich habe einen Black Jack auf der Hand. Weil ich aber auf Kredit gespielt habe, soll ich nun Geld besorgen, um den Gewinn zu bekommen. Also fahre ich mit meiner neuen Freundin los und bringe meine Kreditkarte zum glühen. Das Geld reicht aber nicht aus und ich bekomme den Gewinn nicht. Ich bekomme einen Tag Zeit, um noch mehr Geld zu holen.

Erst am nächsten Tag wird mir klar, was ich angerichtet habe. Mein Notgroschen ist jetzt weg. Mein Kontostand ist zero und ich bin wütend auf mich selbst. Im Nachhinein erfahre ich, dass die philipino Mafia in Phnom Penh ganz gezielt Leute zu sich nach Hause einlädt, sie unter Drogen setzt und zum Kartenspielen und Bezahlen drängt. Zur Polizei kann ich nicht gehen, weil ich die Anzeige nicht bezahlen kann. Also was tun? Ich überlege, ob ich hier arbeiten könnte, verwerfe aber die Idee erstmal. Ich habe mein Visum für China in der Tasche, ich habe meine 200 EUR monatlich und wenn ich ganz sparsam bin, kann ich auf die nächste Fahrradreparatur sparen.

In Phnom Penh treffe ich Sarah Pycroft von Teach for Cambodia, tolles Projekt, das junge Menschen in Kambodscha eine gute Bildung ermöglicht.. Die Idee ist, dass Menschen auch aus ärmeren Familien zur Schule gehen können und gut gefördert werden. Viele von Ihnen haben später gute Jobs und unterstützen dieses Projekt weiterhin. Teach for... gibt es in vielen Ländern. Ich freue mich über diese gute Arbeit.

Auf meinem Weg nach Norden fahre ich am Mekong entlang. Die Leute in den kleinen Dörfern und Städten sind unglaublich nett und offen. Die Märkte sind bunt und schön und es gibt viel frisches Obst und Gemüse. Manchmal sind die Frauen ganz fassungslos, wenn sie mein Haar sehen. Einmal steht eine sehr alte Dame vor mir, nimmt einen Dread in die Hand und fragt: Que es que c`est? - ja hier waren mal die Franzosen... Viele ältere Menschen sprechen französisch und auch die Straßenschilder zeigen Rue. Die neue Generation setzt aber auf Englisch und lernt die Fremdsprache fleißig von den Mönchen und in den Schulen.

In Kratie checke ich im Silver Dolphin Guesthouse ein. Obwohl hier nur noch selten Delphine zu sehen sind, tut die Stadt alles dafür, um Touristen hierher zu bekommen. Es gibt eine schöne Uferpromedade und einen bunten Markt, viele Guesthouses und Hotels und es werden Kajaking, Mountainbiking und Tagestouren mit Boot zu den Süßwasserdelphinen angeboten. Der WWF ist hier ebenfalls sehr aktiv, um die letzten Delphine zu schützen, die sich nördlich der Stadt im Mekong aufhalten. Die Tiere sind stark durch die Fischerei und Umweltverschmutzung bedroht, so daß jetzt auf Ökotourismus gesetzt wird, um sie zu schützen.

In zwei Tagen fahre ich nach Laos. Ich bin schon sehr gespannt auf neue Überraschungen.




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