Laos

06.08.2016

Kurz vor der Grenze nach Laos bricht eine Speiche in meinem Hinterrad. Da ich bereits eine neue Speiche eingezogen und das Rad neu zentriert hatte, habe ich jetzt nur noch eine Ersatzspeiche übrig. Leider ist die zu kurz. Es fehlen 2 mm. Ich überlege, ob ich 900 km in die Hauptstadt nach Vientiane fahren könnte, um eine neue Speiche zu kaufen oder lieber 900 km zurück nach Bangkok zu BokBokBike mit Rohloff-Service. Weil ich mich nicht entscheiden kann, fahre ich erstmal auf die Insel Don Det und verbringe 5 Tage in der Hängematte. Hier kann ich in Ruhe überlegen, was das Beste ist und dabei die Hühner beobachten, die auf diesem Hof lieber in einem Baum schlafen, statt im Hühnerhaus.

Nach meiner Auszeit fahre ich erstmal nach Pakse und checke die Lage in Laos, was Fahrradreparaturen angeht. Pakse ist eine relativ große Stadt im Süden von Laos und die Leute empfehlen mir, für die Fahrradreparatur nach Thailand zu fahren. In Laos gibt es keine Teile und die local People fahren ebenfalls nach Thailand, wenn sie ihre Räder reparieren müssen. Also schnappe ich mir den nächsten Bus und fahre zurück nach Bangkok. Der kostet 30 EUR und ist somit billiger, als wenn ich mein Hinterrad ganz kaputt fahre. In Bangkok wird das Hinterrad komplett neu eingespeicht und ich nehme auch gleich noch 10 Ersatzspeichen mit.

Die 900 zurück nach Pakse fahre ich durch Thailand auf einer relativ ruhigen Nebenstraße. Der Unterschied zwischen Thailand und Laos ist riesig. Thailand ist reich und Laos arm. Ich genieße die letzten guten Einkaufsmöglichkeiten für Brot, denn das gibt es in Laos nur sehr selten. Als ich wieder zurück in Laos bin freue ich mich riesig. Das Land ist wunderschön mit viel grün und vielen Schmetterlingen in allen Farben. Die Menschen sind liebenswürdig und alles geht hier ein bisschen langsamer zu als in anderen Ländern. Ich komme an sehr vielen Reisfeldern vorbei, auf denen die Menschen hart arbeiten und sich für jedes Reiskorn bücken.

Ich besuche die organic Coffeeplantation von Mr. Vieng im Bolaven – Plateau. Er produziert Bio-Kaffee und Bio-Erdnüsse auf seiner Farm und nimmt jede Kaffeebohne 5 mal in die Hand, um hohe Qualität zu produzieren. Seine Frau webt wunderschöne Tischdecken mit Perlenmuster, die ebenfalls auf dem Hof verkauft werden. Der Hof bietet das Rundum-Sorglos-Paket für Touristen an. Es gibt nicht nur Kaffee, Nüsse und Bananen, sondern auch ein schönes Restaurant mit sehr leckerem Essen und viele Infos zu Kaffee. Und weil es auch ein Zimmer für mich gibt, bleibe ich einfach eine Nacht hier, lerne viel über Kaffeeherstellung und genieße die tolle Atmosphäre auf dem Hof.

Während ich mich mit den Frauen auf dem Hof unterhalte, kommt eine verheulte Nachbarin zu Besuch. Vor 3 Monaten ist ihr 30jähriger Sohn unerwartet gestorben und sie ist unendlich traurig. Die Leute im Dorf glauben an Naturgeister und wenn einer aus der Familie etwas Unrechtes tut, z.B. Sex vor der Ehe, dann ist der Geist böse und bestraft ein anderes Familienmitglied. Also ist der Sohn gestorben, weil ein Anderer aus der Familie etwas angestellt hat. Keiner weiß genau, wer denn jetzt Mist gebaut hat, aber um den Geist wieder zu besänftigen, isst die ganze Familie einen Hund. Und zwar komplett. Da die Leute Hunde für unrein halten, ist das eine sehr harte Angelegenheit.

Es gibt in Laos ein paar vegetarische Restaurants und auch auf dem Markt gibt es jede Menge frisches Obst und Gemüse. Es gibt kaum Brot, aber viel Reis mit verschiedenen Gemüsen, Nudelsuppen und manchmal Insekten und Fleisch. In den kleinen Buden an den Straßen wird viel Plastikessen verkauft. Also Kekse und Kuchen, Instantnudeln und viel ungesundes Zeug. Weil es kein Brot zu kaufen gibt, esse ich oft Puffreis und manchmal Nudeln zum Frühstück. Über Tag finde ich jede Menge Ananas, Melonen und Bananen in den Dörfern, die ich mit Erdnüssen esse. Abends koche ich mir Reis mit Kohl oder Sprossen. Einmal finde ich sogar Tofu!

Weil es hier unendlich viele Berge, Höhlen und Wald gibt, setzt Laos auf Ökotourismus. Jährlich findet der Asia Ökotourismus – Kongress in Pakse statt, bei dem viele Ideen und Informationen ausgetauscht werden. Die Tourismusbranche lernt und es werden von verschiedenen Anbietern Abenteuertouren mit Trekking, Caving, Rafting, Zip-Line, Abseiling, Swimming, Jungle-Spa und vieles mehr für Touristen angeboten. Ich freue mich über diese Entwicklung, denn mit Ökotourismus kann man Geld verdienen und somit wächst das Interesse, die Umwelt zu schützen.

Ich besuche die Höhle von Kong Lo, weil sie die Schönste in ganz Laos sein soll. Mit einem Boot geht es 1 km durch die Dunkelheit in eine beleuchtete Höhe mit Stalagmiten und Stalaktiten. Ich bin fasziniert von der Schönheit des Gesteins. Auf der anderen Seite der Höhle geht es mit dem Boot nochmal 7 km weiter. Der Bootsmann hat eine schwache Lampe und rast mit uns durch die Dunkelheit. Plötzlich landen wir auf einer Sandbank. Der Bootsmann hinter mir kichert und hält sich die Augen zu. Hat er nicht gesehen. Haha. Ich lache mit und nun lacht auch Reimund, der mit mir im Boot hockt. Unter Gelächter wuchten die beiden Männer das Boot wieder zurück in die Fahrrinne und weiter geht’s. Der Bootsmann nimmt wieder Fahrt auf, rast mit uns an seinen Kollegen, die ebenfalls Passagiere haben, vorbei und schöpft hin und wieder Wasser aus dem Boot. Bei Tageslicht sehe ich, dass das Boot scheinbar schon öfter irgendwo angestoßen ist, weil eine große Ecke vom Bug fehlt.

In einem anderen Dorf mache ich einen Spaziergang durch den Dschungel zu einem Wasserfall. Weil gerade Monsoon ist, sind viele Teile des Weges überflutet oder zerstört. Zum Wasserfall sind es 3 km, aber weil der Weg kein Weg ist und ich mich ein paarmal verlaufe, bin ich stundenlang unterwegs. Ich sehe viele bunte Schmetterlinge und andere interessante Insekten. Der Wasserfall ist wunderschön. Ich genieße es, dort eine Weile zu sitzen und dem Tosen des Wassers zuzusehen. Auf dem Rückweg ist dann aber Schluß mit Lustig. Ich werde von einem riesigen braunen Flugobjekt ins rechte Bein gestochen. Ich versuche zu fliehen, aber das Insekt verfolgt mich und sticht wieder und wieder zu. Am Ende habe ich 4 Stiche, die sehr schmerzhaft sind. Die Einstichlöcher sind groß wie Kugelschreiberminen und das Bein dick geschwollen. Als ich die Ranger am Ausgang frage, ob ich nun sterben muss, kichern sie und sagen: Loom, Medical Store. Ich bekomme also Medizin und habe ein paar Tage Spaß mit den Stichen.

Für mich geht’s jetzt weiter über die Berge nach Vietnam. Ich freue mich sehr auf dieses aufregende Land.




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