Letzte Runde Indien und die Frage: Wohin geht die Reise nun?

23.09.2017

Weil ich immer Sehnsucht nach Indien habe, komme ich immer wieder zurück in dieses faszinierende Land zu den wunderbaren, warmherzigen Menschen. Diesmal fahre ich von Nepal aus nach Bihar in Indien. Die Region ist stark landwirtschaftlich geprägt und die Arbeit wird überwiegend von Hand oder mit Bullen verrichtet. Die Schulen sind schlicht und es gibt viele Analphabeten, weil nicht alle Kinder in die Schule gehen. Ich freue mich, dass ich auch in ein paar Dorfschulen eingeladen bin, um mit den Schülern über Menschen- und Tierrechte und Umweltschutz zu sprechen.

 

Ich besuche das Gurudwara Patna Sahib, wo Guru Gobind Singh geboren wurde und als Kind seinen goldenen Armreif in den Ganges warf mit den Worten: „Was ist der Wert von Gold? Es ist zu weich und zu nichts zu gebrauchen. Ich mag Eisen.“ Ich verbringe 3 Tage mit Sewa, dem gemeinnützigen Arbeitsdienst, Kirtan und Meditation. Und weil die Manager vom Gurudwara mein Projekt klasse finden, geben sie mir nicht nur einen Raum zum Übernachten, sondern ehren mich auch im Tempel mit bunten Glitzertüchern und Segenssprüchen. Es wird eine Pressekonferenz organisiert und ich erscheine mit meinem Projekt in ein paar Zeitungen und auf der Homepage des Gurudwaras. Ich bin dankbar und glücklich.

 

Es ist Hochsommer und auf der Straße gibt es 50 Grad ohne Schatten. Die Bremsgriffe sind kochend heiß und es gibt auf 1000 km starken Gegenwind. Die Sonne ist hart und sticht in die Haut, obwohl ich meinen Körper komplett bedecke, also auch das Gesicht. Unter dem Microfaser – Tuch kann ich nicht so gut atmen und die Sonnenbrille hat auch schon ein paar Kratzer und ist schief, aber es geht. Ich komme trotzdem irgendwie voran, obwohl ich jeden Tag Mittagspause von 11 bis 18 Uhr mache. Es ist einfach nicht möglich, dann zu fahren. Nach 18.00 Uhr gehen die Temperaturen auf 38 Grad runter und ich kann leichter radfahren.

 

Ich fahre also viel vor dem Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang durch Indien. Manchmal warnen mich Leute oder die Polizei, nicht in der Dunkelheit zu fahren, weil es zu gefährlich ist. In der Näche von Varanasi werde ich von einem Mann verfolgt. Es ist vor Sonnenaufgang und weil mein Rad mit Gepäck 50 kg wiegt, kann ich auch keine Sprints machen. Der Mann verfolgt mich zu Fuß. Er rennt hinter mir her... also fahre ich ein bisschen schneller und kann das Tempo halten. Ich höre die ganze Zeit seine Schritte dicht hinter mir. Wenn der Mann mich einholt, muss ich kämpfen und das will ich jetzt nicht. Also halte ich mein Tempo und nach 20 langen Minuten ist er endlich erschöpft und gibt auf. Ich bin sehr erleichtert und fahre in den Sonnenaufgang hinein. Was für ein aufregender Start in den Tag.

 

Weil es so heiß ist, fahre ich in die Berge des Himalaya, um dort etwas Abkühlung zu finden. Wunderschön!! Am Fuß des Himalayas liegt Haridwar. Ich bleibe zwei Tage und beobachte die vielen Hindus, die hier im Ganges ihr heiliges Bad nehmen. Wenn Du im Ganges gebadet und alles richtig gemacht hast, dann kannst Du Dich von Deinen Sünden freiwaschen. Es gibt viele Zeremonien um das heilige Bad im Ganges und Gott vergibt alles. Weil Haridwar ein besonders heiliger Ort für das Bad ist, kommen immer sehr viele Leute her und am Ufer des Ganges herrscht reges Treiben. Straßenhändler verkaufen Plastik, Snacks und Getränke, Kinder rennen und springen in den Fluß, Sadhus leben unter den Bäumen und ein paar Affenbanden treiben sich rum.

 

Eigentlich will ich meine Zeit im Punjab nutzen, um mehr über organic farming zu lernen und um die Arbeit von ein paar NGOs zu unterstützen, aber es kommt anders als gedacht. Ich kann nicht im Feld arbeiten,weil ich einen Motorradunfall habe. Dabei breche mir eine Rippe, meine Schulter ist ausgekugelt, zwei große Platzwunden am Kopf und Gehirnerschütterung. Ich wache morgens in einem kleinen Dorf mit Schmerzen am ganzen Körper ohne meine Unterwäsche auf und kann mich an nichts erinnern. Jemand hat das Blut von meinem Körper gewaschen und ich bekomme nur vage Auskunft über den Unfallhergang. Sicher ist nur, dass ich nicht beim Doktor war, wie man an meinem laienhaften Verband gut erkennen kann. Es dauert 6 Wochen, bis die Knochen verheilt und die Schmerzen weg sind. Zwei Wochen bleibe ich in dem winzigen Dorf und meine Haut bekommt Pickel und Pusteln von der Hitze weil es laufend Stromausfall und somit keinen Ventilator und manchmal auch kein Wasser gibt. Als ich einigermaßen gerade gehen kann, fahre ich in die nächste Stadt und nehme mir ein Zimmerchen mit Strom, Wasser, Ventilator, Internet. Ich regeneriere und freue mich einfach, dass ich den Unfall überlebt habe.

 

Ich besuche noch einmal den Golden Tempel in Amritsar und genieße diese Zeit sehr. Es gibt ein neues Buch für mich. Nitnem in Gurmukhi, Roman und Englisch. Ich freue mich sehr, dass ich jetzt die heilige Schrift der Sikh in einem Buch lesen kann und nicht mehr auf dem Phone. Das Buch hilft mir nicht nur, Sikhism besser zu verstehen, sondern auch Gurmukhi und Punjabi lesen zu lernen. Das Guru Ram Das Niwas gibt mir einen Stellplatz für mein Rad und ein Bett für mich. 20 Betten für Foreigner in einem großen Raum. Leute aus der ganzen Welt kommen hierher und ich habe nach langer Zeit mal wieder Kontakt zu anderen Reisenden.

 

In der Nähe von Jalandhar werde ich von zwei Rennradfahrern eingeholt. Sie sind Mitglieder vom Cycling Club Jalandhar und wollen unbedingt mir mit n Kaffee trinken... Also schleppen sie mich in ein Cafe, an dem ich vor 2 km vorbeigefahren bin. Hier warten schon ein paar Leute vom Club. Sie fahren jeden Tag diese Strecke und wissen schon länger, dass ich hier vorbeikommen würde . Also haben sie auf mich gewartet. Ein Mitglied vom Cycling Club hat mich in Amritsar getroffen und in der Facebook – Gruppe mein Foto und mein Projekt gepostet. Nun soll ich alles über mich erzählen. Es ist eine lustige Runde und wir haben ne Menge Spaß. Am Ende soll ich noch alle Helme mit meinem Edding signieren... Oh Mann, danke Leute!

 

So sehr ich Indien auch liebe, es ist nun Zeit für ein neues Land. Ich werde am 25. September von Delhi nach Los Angeles fliegen und bin schon ganz gespannt auf den Kulturschock.




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