Baja California

Mexico

27.11.2017

Von San Diego aus fahre ich an die mexicanische Grenze nach Tijuana. Weil der Übergang für Radfahrer in einer Sackgasse endet, fahre ich einfach wieder auf die Straße und schließe mich den Autofahrern an. Natürlich werde ich von ein paar Damen gestoppt und ich soll erst einmal in einer Wartebucht warten. Ein Drogenhund bellt mich aus seinem Käfig die ganze Zeit an. Der riecht wohl die schöne weite Welt aus meinen Packtaschen. Ich fantasiere schon, wie ich mein ganzes Zeug auspacken muss. Aber zum Glück beruhigt er sich irgendwann.

 

Nach einer Weile kommt eine Dame, die englisch sprechen kann und mich höflich fragt, was ich möchte. Mein Name ist Carmen und ich möchte nach Mexico, ist meine Antwort. Also soll ich ihr erst einmal folgen und wir marschieren mit Fahrrad über die gesamte Grenzanlage zu einem Tor für Fußgänger. Ich bedanke mich und frage, wo ich denn den Stempel bekomme. Sie ist ganz überrascht, dass ich einen Stempel brauche und bringt mich wieder zurück auf die andere Seite der Grenzanlage zum Immigration Office. Offensichtlich kann hier jeder ohne Passkontrolle und Stempel über die Grenze, wenn der den richtigen Weg kennt. Der Beamte vom Immigration Office ist super nett, ich bekomme ein Visum für 6 Monate und alle meine Stempel. Ist schon vielen passiert, dass sie den Einreisestempel vergessen haben und dann bei der Ausreise aus Mexico hohe Strafen zahlen müssen.

 

Ich bin vor der Einreise gewarnt worden, dass Tijuana kein guter Ort ist und ich lieber schnell hier durch fahren soll und überhaupt wäre Mexico sehr gefährlich und sie würden mich hier kidnappen und umbringen.... Naja diese Geschichten kenne ich ja schon aus anderen Ländern. Also erst mal ganz in Ruhe ein paar Pesos aus dem ATM ziehen und ein billiges Zimmer für die erste Nacht nehmen. In Wirklichkeit ist Tijuana ein Ort, in den viele Leute aus den USA kommen, um billige Medikamente zu kaufen oder sich für ein Wochenende zu vergnügen. Alles ist auf Touristen ausgerichtet und es gibt an jeder Ecke laute Musik, Restaurants, Apotheken und Straßenmusiker.

 

In der Touristen Information frage ich nach einer Straßenkarte von Mexico. Die Leute sind sehr nett und fragen mich, wo meine Gruppe ist. Ich habe keine Gruppe, ich möchte allein mit dem Fahrrad von hier nach La Paz fahren. Oha, das wäre viel zu gefährlich für mich, weil auf dem Weg ein großes Naturschutzgebiet und Wüstenabschnitte zu fahren sind, wo es keine Versorgungsmöglichkeiten für Wasser gibt. Wie lang die Abschnitte sind, kann mir aber keiner so ganz genau beantworten, nur dass es viel zu gefährlich ist für mich und ich soll doch lieber den Bus nehmen. Haha nix.

 

Also mache ich ein bisschen Internetrecherche und finde heraus, dass ich wahrscheinlich alle 70 km Wasser finden werde. Das reicht. Ich mache mich auf den Weg und fahre erst einmal an der schönen Küste der Baja California entlang. Ich beobachte viele Pelikane beim Fischen, genieße die schöne Natur und die herzlichen Menschen in Mexiko. Überall grüßen mich die Leute und winken mir aus den Autos zu. Ein paarmal werde ich auch gestoppt, um zu reden und Fotos zu machen. Die Mexicaner sind toll und ich fühle mich sehr willkommen. Viele Frauen haben ihr eigenes Geschäft, tragen moderne Kleidung und sind stark in Mexico. Es gibt hier viele Leute, die sich in Tierrechtsbewegungen organisiert haben. Tiempo Animal und 269life CDMX machen gute Tierrechtsarbeit und klären die Leute in Mexico über Veganismus und Tierrechte auf. Zahlreiche Aktionen wie Flashmobs und Demos finden in Mexico – City statt.

 

Weil es hier viel Natur auf der Baja California gibt, kann ich auch viel outdoor zelten. Ich genieße es sehr, nachts in der Stille am Zelt zu hocken und die Sterne zu beobachten. Es gibt an jeder Ecke fantastische Schlafplätze zwischen Kakteen, Steinen und ein paar Büschen mit Ausblick auf die wunderschönen Berge. Ich bin glücklich hier draußen. Allerdings gehen hier auch gerne riesige Taranteln spazieren und ich bin froh, dass die nicht nachts in mein Zelt krabbeln können.

 

In El Rosario fährt plötzlich Irma in ihrem Käfer neben mir her und lädt mich zu sich in den Garten zum Schlafen ein. Ui. Und was das kostet? Nichts. Komm mit! Das ist ja klasse. Ich darf also mein Zelt in ihrem Garten aufbauen, die Dusche im Haus benutzen und bekomme zum Abendessen noch ein paar Tacos mit Salat. Toll. Sie ist eine moderne Frau und freut sich über internationalen Besuch in ihrem Garten. Sie kocht uns Kaffee und ich erzähle ihr Reisegeschichten, zeige ihr Fotos und wir verbringen einen sehr netten Abend.

 

Hinter El Rosario geht es sehr steil die Berge rauf. Ich schufte hart am Berg und wegen der Hitze ist mein Trinkwasser auch schon schön warm. Im Internet habe ich gelesen, dass in 20 km ein Restaurant kommt, wo ich Wasser kaufen möchte, aber hier ist erst einmal alles heiß und trocken. Auf dem nächsten Berg sehe ich von weitem schon ein Wohnmobil mit Leuten davor. Als ich näher komme, stehen dort eine Frau und ein Junge und halten mir ein Wassereis vor die Nase! Haha zum Glück ist das keine Fata Morgana und zu dem Wassereis gibt es noch ein nettes Gespräch und 3 Liter Wasser. Klasse. Ich bin dankbar und glücklich. Was für tolle Menschen!

 

Viele Orte, die hier in meiner Straßenkarte als Stadt eingezeichnet sind, entpuppen sich als kleine Dörfer und viele Orte gibt es auch gar nicht mehr, weil die Menschen ihre Häuser verlassen haben. Es ist interessant, durch diese Geisterstädte zu fahren, aber die Wasserversorgung ist nicht so optimal. Mitten in dieser Gegend begegne ich einem Capitano. Er fragt mich woher, wohin und schenkt mir 3 Grapefruits. Ich mag eigentlich gar keine Grapefruits, aber ich nehme sie gerne. Sie schmecken gar nicht so bitter wie ich es kenne und es ist eine sehr gute Vitamin- und Flüssigkeitszufuhr hier im Nirgendwo. In einem netten Gespräch verrät er mir, dass er in La Paz mehrere Boote hat und dass er mich von dort aufs Festland bringen kann. Ich habe jetzt also eine Verabredung zum Segeln von La Paz rüber zum Festland. Wie schön.

 

Als ich in dem Dorf Villa Jesus Maria vorbeikomme, ist es schon abends und von einer kleinen Hotelanlage ruft mich ein Mann herüber und fragt ob ich ein Zimmer brauche. Nein, aber einen Stellplatz für mein Zelt würd ich nehmen. Dafür gebe ich ihm 50 Pesos und er ist einverstanden. Weil Antonio keine Dusche und Toilette draußen für Camper hat, schließt er für mich einen Raum mit 2 Betten auf, wo ich mich waschen kann. Er überlegt kurz und meint dann, dass ich auch hier schlafen könnte. Ich bin überrascht und freue mich sehr.

 

In der Nacht klopft es an der Tür. Ich mache aber nicht auf. Es klopft nochmal und ich reagiere wieder nicht. Kenn ich schon aus anderen Ländern. Plötzlich wird von draußen das Fenster aufgerissen, ein Mann hängt seinen Oberkörper komplett durchs Fenster und leuchtet mit seiner Taschenlampe im Raum und in meinem Gesicht herum. Ich hab zwar keinen Schiss, aber ich schreie vorsichtshalber mal, damit der Mann kapiert, dass man das nicht macht. Daraufhin sagt der Mann: „Police, Police, Its OK... Police. Its OK....“ haha OK. Dann schließt er das Fenster wieder von außen. Springt zu seinem Kollegen in den Wagen und haut ab. Ui. Die suchen jemanden. Na ich schlafe erstmal weiter.

 

Morgens um 6.00 Uhr klopft es schon wieder an der Tür. Diesmal ist es Antonio. Er will in sein Bett. Och nee, dies ist also sein eigener Raum und seine Nachtschicht ist jetzt zu Ende. Also legt er sich mit in voller Bekleidung in das andere Bett. Na gut, ich lege mich noch einmal für 10 Minuten in das freie Bett und überlege in Ruhe, ob ich mich hier noch waschen will, oder auf der Straße. Dann stehe ich leise auf, packe mein Zeug zusammen und verdufte. Nach 5 Km muss ich mich erst einmal waschen und frühstücken.Was für eine aufregende Nacht für 50 Pesos.

 

Etwas außerhalb von Mulege finde ich einen kleinen kleinen Campingplatz mit Swimmingpool, Strom und Internet. Weil meine Haut mir große Probleme macht, beschließe ich, dass ich noch ein bisschen hier bleiben könnte... Nach ein paar Tagen beginne ich, ein Buch zu schreiben. Morgens mache ich meine 100 Liegestütze, dann schreibe ich ein paar Stunden an dem Buch und nachmittags gehe ich schwimmen im eiskalten Pool. Danach fahre ich mit dem Rad ins Dorf und kaufe mir Avocados und Wasser. Meine tägliche Routine für 4 Wochen.




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