Nepal goes green

06.08.2017

Nepal Nepal, alle wollen nach Nepal. Aus verschiedenen Gründen. Manche wollen Bergsteigen, manche wollen Wandern, manche wollen einfach nur ein neues Visum für Indien... Das Land erträgt viel Tourismus und das spüre ich an jeder Ecke. An der Grenze werde ich von den Officers betrogen. Ich muss den doppelten Preis für das Visum bezahlen. Ein Junge rennt auf mich zu und ruft: „Give me money, give me money!“ Huch was ist hier den los? Was für ein schlechter Empfang in Nepal. Die Straßenhändler nehmen den doppelten Preis für Früchte.. Weil ich ein wenig Hindi spreche, weiß ich, dass ich betrogen werde. Die anderen Kunden flüstern den Verkäufern noch höhere Preise für die Früchte zu, die ich kaufen will. Aber ich treffe auch tolle Leute in Nepal.

 

Als ich abends in meinem Zimmer in einem billigen Hotel am Rechner sitze, klopft es an meiner Zimmertür. Als ich öffne steht eine junge Frau mit Fahrradhelm und Radsportbekleidung vor mir und fragt, ob sie mich zum Essen einladen dürfte. Es ist Usha aus Nepal, die derzeit mit dem Rad von West nach Ost ganz Nepal durchquert. Eine tolle Frau. Ich bin überrascht, eine so moderne Frau hier in Nepal zu treffen. Sie hat interessante Ideen und unterstützt Umweltschutz- und Menschenrechtsprojekte mit ihrer Tour. Wir mögen uns sehr und verbringen ein paar Tage gemeinsam.

 

Und weil Usha gut vernetzt ist, kommt auch noch ein dritter Radfahrer dazu. Es ist Raj Phanden aus Indien, der wie ich auf Weltreise ist. Er nennt sein Projekt WHEELS FOR GREEN, unterstützt mit seiner Tour Umweltschutzprojekte und geht in diesem Rahmen wie ich in die Schulen und teilt Informationen über Umweltschutz mit den Schülern. Unterstützt wird er dabei vom Lions Club, in dem er seit vielen Jahren Mitglied ist. Ich lerne wieder einmal, wie aktiv Radfahrer weltweit sind und freue mich über die gemeinsame Zeit mit den beiden. Wir haben eine Menge Spaß und unterstützen gemeinsam das Projekt „Green City“ in Birgunj.

 

Ein tolles Projekt in der Grenzstadt zu Indien. Ein ganzer Straßenzug wird derzeit grün gestrichen und viele Bäume sind frisch gepflanzt. Um die jungen Bäume zu schützen, sind Gitter drumherum errichtet worden und wenn die Ziegen die Bäume anfressen, müssen die Besitzer hohe Geldstrafen bezahlen. Im Rahmen dieses Projektes ist auch eine neue Polizeistation in der Straße errichtet worden, mit dem Focus: Der bürgernahe Beamte.. oder: Die Polizei ist Dein Freund und Helfer. Klasse. Wir machen eine Fahrraddemo für das Projekt, denn die Veranstalter wünschen sich auch mehr Fahrräder in der Stadt.

 

Wir besuchen eine Knastschule in Birgunj. Wenn die meist männlichen Straftäter ins Gefängnis gehen, sind ihre Familien oftmals ohne Einkommen. Aus diesem Grund gibt es neben dem Gefängnis noch einen Wohnblock für die Familien und eine Schule. 80 Kinder jeden Alters gehen hier zur Schule. Es ist ein warmer Empfang an diesem Ort. Die Officers sind sehr zuvorkommend, es gibt sogar frisch gekochtes Mittagessen für uns und die Schüler sind sehr überrascht, von drei Radfahrern mit unterschiedlichen Projekten Informationen zu bekommen. Ein interessanter Ort mit interessanten Leuten. Ich freue mich, dass die Regierung sich um die Familien kümmert.

 

In Kathmandu teile ich im Gurudwara ein Zimmer mit einer Russin und muss 10 Tage auf mein Visum für Indien warten. Also mache ich täglich Sewa, den Arbeitsdienst im Gurudwara, lerne Gurmukki und Punjabi und habe viel Spaß mit meiner neuen Gurudwara – Familie. Ich genieße die gemeinsamen Zeiten im Tempel mit Kirtan und Gurbani und das Cricketspielen im Hof mit den Jungs aus der Nachbarschaft. Eine schöne Zeit in Kathmandu.

 

Viele Straßen sind nach dem Erdbeben vor drei Jahren komplett zerstört. Die Berge sind wunderschön, aber die Straßen schrecklich. Viele Kilometer bergauf und bergab gibt es quasi keine Straßen, sondern nur Sand, Steine, Geröll, Matsch... Ich fahre durch Naturschutzgebiete mit wilden Tieren, kleine Dörfer und genieße die Stille und die einfachen Leute. Weil meine neue Freundin aus Russland mir erzählt hat, dass in Pokhara derzeit richtig viele coole Leute unterwegs sind, die sonst in Goa in Indien leben, ist dieser Ort jetzt doch nicht mehr so interessant für mich. Ich entscheide, dass ich doch nicht in diesen Touristenort fahren will, sondern bleibe lieber in den Dörfern bei den local people.

 

Es ist gerade Hochsommer und auch in den Bergen schön warm. In einem kleinen Dorf nehme ich ein Zimmerchen, aber weil gerade Wasserknappheit herrscht, gibt’s kein Wasser im Waschraum. Ich soll mich im Fluss waschen, wie alle anderen aus dem Dorf.. OK. Also ab zum Fluss... In meinen Träumen ist der Fluss ein Fluss und ich kann ein schönes erfrischendes Bad nehmen... Aber die Realität sieht anders aus. Der Fluss ist zwar breit, aber nur knietief. Die Leute baden hier, die Buffalos und die Ziegen auch und auf der anderen Flussseite fahren die Trekker mit Flusssand durch den Fluss und hier und da weht ein bisschen Plastik. Hier will ich nicht baden, da werd ich ja nicht sauber. Aber es ist wirklich interessant, das lokale Treiben von der Brücke aus zu beobachten.

 

Nach 4 Wochen Nepal geht’s zurück nach Indien. Ich will noch einmal nach Punjab, weil ich das Gefühl habe, dort etwas vergessen zu haben...




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