Was sonst noch so los war...

Thailand II

26.05.2016

Ich fahre vom Süden nach Thailand hinein und mein erster Stopp ist in Hat Yai, die Stadt, in die auch viele Leute aus Malaysia und Singapore fahren, um Kurzurlaub zum Feiern zu machen. Die Frauen sind stark in Thailand und viele haben ihr eigenes Geschäft auf Mopeds mit Beiwagen. Hier werden ganze Suppenküchen, Eis, Würste am Spieß, Fried Bananas, Getränke, Coconuts und vieles mehr auf diesen praktischen Mopeds transportiert.

Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich. Es gibt viel Landwirtschaft und viele kleine Dörfer, wunderschöne Tempel, schöne einsame Buchten und auch Partystrände, an denen hauptsächlich die Locals Urlaub machen. In die klassischen Reiseorte, in denen viele internationale Touristen sind, fahre ich nicht, weil es mich einfach nicht interessiert. Ich fühle mich in den kleinen Orten mit den local People wohl und es ist spannend für mich, dies Land mit den Leuten zu erleben.

In Hat Yai lerne ich einen Mann aus Singapore kennen. Wir gehen ein paarmal Essen und auf den Asia Nachtmarkt. Er ist nett und wir lachen viel. Als wir in einen Nudelshop gehen, meint er, er müsste mal eben zum Western Union und kommt gleich zurück. Ich sage ihm, daß ich mitgehe und esse meine Nudeln weiter. Er stimmt zu und 2 Minuten später steht er auf und geht... mit meinem Zeug. Als ich das realisiere, ist er schon über alle Berge. Na ja er hat ja sein Gepäck im Hostel und so gehe ich ins Hostel und warte auf ihn. Als er nach 3 Stunden immer noch nicht da ist, sperre ich meine Kreditkarte und gehe ich zur Polizei, um Anzeige zu erstatten.

Meine Kamera, Telefon, Geld, Kreditkarte, Navi... alles weg. So ein Mist. Ich sammle alle Informationen, die ich bekommen kann. Er hat mit seinem Passport im Hostel eingecheckt, also wird das Guestbook fotografiert. Er ist auf der Überwachungskamera des Hostels gut zu sehen und ich habe seinen FB – Account, ich finde Fotos von ihm und er kontaktet in der Zwischenzeit meine Freunde über das gestohlene Telefon und erzählt, dass ich im Krankenhaus bin und Geld für Medizin brauche. Sie sollen doch bitte Geld per Western Union schicken, oder Geld auf ein Konto bei einer Thailändischen Bank überweisen. Oha. Zum Glück bekomme ich Screen-Shots der Unterhaltung und so kann ich der Polizei seinen Western-Union-Namen und seine Kontoverbindung nennen.

Ich weiß, dass er in ein paar Tagen das Land verlassen muss, weil sein Visum abläuft, also bitte ich die Polizei, ihn an der Grenze zu schnappen. Alles ohne Erfolg. Ich fass es nicht. Also hat sich jetzt die Prophezeihung aus der Türkei erfüllt. Beim Kaffeesatzlesen haben mir die Türken vorausgesagt, dass ich vermutlich beklaut werde. Na das ist dann jetzt erledigt. Zum Glück haben sie mir auch gesagt, dass ich gesund und glücklich wieder nach Hause kehren werde. Das ist doch gut. Also freue ich mich, dass ich noch lebe und bin nach ein paar Tagen auch nicht mehr wütend.

Während ich auf mein Paket aus Deutschland warte, feiere ich mit den Leuten Songkran. Das ist das Neujahrsfest in Thailand und wird auch Wasserfestival genannt. Eigentlich ist es nur ein Tag, aber in vielen Orten wird ein paar Tage gefeiert. Es ist wahnsinnig heiß im April und so ist es ein Riesenspaß für alle, sich tagelang mit Wasser zu bespritzen. Es gibt an jeder Ecke richtig große Waterguns zu kaufen, in die ein paar Liter Wasser hineinpassen. Viele Geschäfte stellen große Wassertonnen vor die Tür und so ist ständig Munition vorhanden. Es werden sich Straßenschlachten geliefert und jeder wird mit Wasser beschossen. Alle sind immer naß. Viele stellen sich auch eine Wassertonne und eine Horde Leute auf die Ladefläche des Wagens und schießen vom Auto aus auf die Passanten. Das Ganze wird mit viel Gelächter und lauter Musik aus jeder Ecke gefeiert.

Dazu kommt noch eine Paste aus purem Glück. Ein weißes Pulver wird mit Wasser vermischt und irgendwie hat jeder dieses weiße Zeug im Gesicht. Es bringt Glück, wenn man eingerieben wird und auch wenn man andere damit einreibt. Ich glaube daran und lasse mich von 1000 Leuten im Gesicht berühren. Es ist wunderbar. Wenn zuviel weißes Zeug auf dem Gesicht ist, kann man sicher sein, dass bald ein Mann mit einer Watergun dafür sorgt, dass das Gesicht wieder zu sehen ist. Toll.

Abends gibt’s Livemusik an vielen Bühnen und es fühlt sich toll an, mit den Leuten zu tanzen und einfach Spaß zu haben. Ich fühle mich richtig gut unter all diesen schönen, jungen Menschen. Es gibt auch einen öffentlichen Boxring, in dem Thaiboxen stattfindet. Alle Altersklassen sind vertreten. Sogar ganz junge Männer von 17 oder 18 Jahren treten hier an und keiner trägt hier Zahn- und Kopfschutz. Dazu wird besondere Musik gedudelt. Die Männer sind gut trainiert und zeigen gute Kämpfe.

Ich treffe eine vegane Italienerin mit blondem, kurzgeschnittenen Haar auf der Straße. Es ist Antonella aus Italien, die schon eine ganze Weile in Asien unterwegs ist und einen Blog schreibt.

Sie zeigt mir ein paar vegane Restaurants in Hat Yai und wir verbringen ein bisschen Zeit miteinander. Es ist spannend, sich über vegane Politik und Weltwirtschaft mit ihr zu unterhalten. Ich genieße diese Begegnung sehr.

Es gibt in Thailand immer mehr Organic Farming, was mich sehr freut. Leider sehe ich aber auch ein paar Lastwagen, mit Affen und Menschen auf Kokosnüssen auf den Ladeflächen. Manchmal fährt auch ein Moped mit Beiwagen und ein paar Affen an mir vorbei. Immer zu schnell, um ein Foto zu machen. In der Stadt Surat Thani befindet sich ein Trainingscenter für Fruit-Picking-Monkeys. Kokosnüsse zu ernten ist harte Arbeit und die Affen sind schneller als die Menschen und somit gut fürs Geschäft. Wer mehr darüber lesen möchte, kann hier klicken.

Auf meinem Weg sehe ich eine riesige Buddha–Statue, an denen gerade zwei Mönche arbeiten. Sie ist 20 Meter hoch und das Gerüst ist sehr simpel, was die Mönche offensichtlich nicht stört. Es gibt viele buddhistische Tempel in Thailand. Manche sind sehr groß und alle sind wunderschön. Unter den Gebetshallen befinden sich häufig die Urnengräber. Sie sind in die Wände eingelassen und mit kleinen Grabplatten verziert. Jedes Jahr zum Geburtstag des Toten kommt die ganze Familie zum Tempel, um mit den Mönchen zu beten. Dazu wird eine Schnur von der Grabplatte zu den Mönchen gespannt, die alle 4 Mönche in den Händen halten. Dann wird gebetet und gesungen.

Die Buddhisten glauben an Wiedergeburt und solange die Seele noch keinen neuen Körper hat, kommt sie zum Geburtstag an diesen Ort, an dem die Zeremonie stattfindet.

Die Leute lieben ihre Mönche. Jeden morgen ziehen die Mönche in die nahegelegenen Dörfer und Städte um den Leuten ihre Gebete abzunehmen und sie zu segnen. Dafür bekommen sie von den Leuten Essen. Häufig knien die Leute beim Beten vor den Mönchen, die orangefarbene Kutten und keine Schuhe tragen. Wenn ich morgens um 6 auf dem Rad sitze und sie dabei beobachte, fängt mein Tag gut an und als ich einmal einen Mönch ganz allein auf der Straße im Wald sehe, stoppe ich mein Rad und gebe ihm eine Mango. Er nimmt mein Gebet, segnet mich und verabschiedet sich mit einem Lächeln. Dankeschön.

In Bangkok treffe ich meinen Freund Pablo aus Argentinien wieder. Wir essen richtig viel "Phad Thai no egg" in den Straßenküchen, machen lange Stadtspaziergänge und besichtigen ein paar Tempel. Bangkok ist voll von buddhistischen Tempelanlagen, Straßenküchen, Menschen und Märkten. Hier gibt es alles und viel. Die Stadt schläft nie. Eine richtige Metropole und einen Besuch wert. Ich lasse mein Rad checken und die Laufräder zentrieren und fahre nach ein paar Tagen weiter nach Kambodscha. Nach nur 200 km mitten im Nirgendwo bricht eine Speiche. Ich bin froh, daß mein Freund Magnus mir vor der Reise noch ein paar Ersatzspeichen mitgegeben hat und so kann ich die Speiche ersetzen und das Laufrad selbst neu zentrieren.

Ich freue mich, in ein paar Tagen die Tempelanlagen von Angkor Wat zu sehen und bin schon ganz gespannt auf das Land und die Leute in Kambodscha.




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