USA - der wilde Westen

17.10.2017

Von Indien in die USA – größer kann ein Kulturunterschied eigentlich nicht sein. Es gibt sehr viele Veganer in den USA aber leider auch sehr sehr viele Omnivore. In Indien leben die meisten Leute vegetarisch aber wissen nicht so richtig, was vegan bedeutet. Hier in den USA sind die Leute sehr aufgeklärt und ich muss nicht erklären, was vegan ist, aber trotzdem gibt es prozentual gesehen zu viele Fleischesser. Viele Aktivisten und NGO s arbeiten an Aufklärungskampagnen und Filmen in den den USA und Vegan ist in der Öffentlichkeit auf jeden Fall ein Thema. In den Supermärkten und Restaurants gibt’s ganz selbstverständlich veganes Essen. Super bequem, wenn man genug Geld hat.

 

Bei meiner Ankunft am Flughafen von Los Angeles empfängt mich mein Sportskollege Tom von meinem Verein FC St. Pauli Triathlon. Zufällig macht er gerade mit seiner Familie Urlaub in den USA und ich kann die ersten Tage mit im gleichen Appartement wohnen. Ich freue mich wahnsinnig, meinen Trainingskollegen nach über 2 Jahren zu treffen und wir haben viel zu reden und zu lachen. Wir kochen Killerpasta und machen Los Angeles gemeinsam unsicher. Beim Spaziergang durch die Stadt kommen wir zufällig in einem Villenviertel an einem großen Karton mit zu verschenkenden Sachen vorbei und neben den nagelneuen Büchern finde ich meine neue Sonnenbrille. Meine alte ist schon sehr zerkratzt und schief und ich freue mich sehr über das gute Stück aus Hollywood.. Eine schöne Erinnerung an die tolle Zeit hier.

 

Weil die USA relativ teuer sind, muss ich wieder sehr viel Outdoor schlafen. Von Los Angeles fahre ich erst einmal Richtung Norden, durch Malibu und weiter die Küste hoch. Mein Plan, ein oder zweimal in der Woche auf einem Campingplatz zu übernachten zerschlägt sich in Malibu. Ich soll für einen Platz für mein Zelt und Fahrrad 95 Dollar bezahlen. Ab morgen wird’s billiger, dann kostet es nur noch 44 Dollar, weil die Winterzeit beginnt... Uff das ist trotzdem nicht bezahlbar für mich. Und weil große Teile der Küstenstraße verschüttet sind, kehre ich um und fahre nach Süden Richtung Mexico. Dort gibt es auch Wale im Meer.

 

Die Amerikaner sind richtig nette Leute. Ich bin überrascht, als ich das erste Mal in meinem Leben von einer mir unbekannten Kassiererin im Supermarkt gefragt werde, wie es mir geht. „Mir geht es gut und wie geht es Dir?“ ist meine Antwort. Toll. Ich mag das sehr und fühle mich sehr willkommen. Als ich eines Abends einen Schlafplatz suche, hält ein älteres Ehepaar mit dem Auto an und fragt, wo ich denn noch hin will heute. Da hinten kommt das Militärgebiet und da lassen sie mich heute Abend nicht mehr durch. Zu spät. Ich soll mir lieber hier in der Gegend noch ein Versteck suchen. Ich bin sehr überrascht und freue mich sehr über den Tipp. Tatsächlich finde ich noch einen tollen Schlafplatz im Gebüsch in der Nähe eines geöffneten und blitzsauberen Waschhauses, so dass ich sogar noch duschen kann.

 

Einen anderen Abend komme ich an einer Tankstelle vorbei, in der ein sehr sehr netter Mann arbeitet. Er gibt mir nicht nur einen Platz für mein Zelt, sondern schenkt mir auch einen Liter Limonade, Brot und eine Trinkflasche. Dann will er mir noch ALLE Würstchen schenken. Auf dem Rost drehen sich 20 Stück.. Es ist spät und er will den Grill reinigen. Ich könnte die Würstchen auch noch morgen essen. Aber nein danke. Ich freue mich sehr, dass er so nett ist, aber seine Würstchen soll er lieber jemand anderem schenken. Er spricht Englisch und Spanisch und wir lachen viel, bevor ich in mein Zelt krieche und wie ein Stein schlafe.

 

Am Strand von Californien ist immer viel los. Hier gibt’s sehr breite Sandstrände mit Beach – Volleyball, kilometerlange Radwege, Waschhäuser und Imbissbuden. Die Leute machen hier viel Sport und alles ist komfortabel und sauber. Ich bin in der teuersten Ecke der USA gelandet.. Ich sehe nicht nur viele teure Villen, sondern auch ein paar Sportboothäfen und in Newport kann man sich seine neue Yacht kaufen, denn hier gibt es viele Yachtshops, die Luxusyachten von der Stange verkaufen. So wie in Deutschland Autohäuser, gibt es hier Yachthäuser. Trotzdem finde ich auch zwischen diesen Luxusvillen einen Schafplatz für die Nacht. In einem Park direkt am Weg, wo morgens und abends die Läufer vorbeikommen. Aber es ist spät und ich bin müde.

 

In der Nähe von San Diego finde ich dann aber doch noch einmal einen bezahlbaren Campingplatz für 10 Dollar die Nacht. Ich treffe dort Seb, der auch auf dem Weg nach Mexico ist. Der junge Mann nutzt Warmshowers und will morgen in San Diego bei einem Warmshowers – Host übernachten. Ob ich das auch mache? Nein. Für mich ist Warmshowers nicht praktikabel, weil ich zuwenig Strom und Internet habe, um die Kontakte zu pflegen. Ich habe auch zuwenig Geld, um ständig in ein Cafe zu gehen und Internet und Strom für mein Phone zu bekommen. Also entspanne ich mich und bleibe einfach draußen. Seb ist ein lustiger Vogel und wir lachen viel diesen Abend. Er hat auch viel zu schleppen. Aber nicht, weil er wie ich seine Winterklamotten dabei hat, sondern weil er viele Ausrüstungsgegenstände doppelt hat: Zwei Kocher, zwei Seile, zwei Kopflampen... usw. Er kann sich einfach nicht entscheiden, welches Teil nun weg muss.

 

Am nächsten Morgen mache ich vor dem Losfahren noch einen schönen Strandspaziergang. Als ich zurück zum Zelt komme, ist Seb schon aufgebrochen und hat mir eine von seinen Stirnlampen an mein Zelt gebunden. Meine ist kaputt und ich kann diese hier sehr gut gebrauchen. Klasse. Ich freue mich sehr. Kurze Zeit später taucht Jagger auf. Er lebt hier auf dem Platz und fragt mich, ob ich ein bisschen Geld verdienen will. Klaro. Ich könnte ihm beim Umzug helfen. Er will von Platz 88 auf 106 und ich könnte ein paar Dollar verdienen. Klasse. Das mache ich. Ich habe eine Stunde Arbeit, nette Gesellschaft und bekomme 40 Dollar. Außerdem kann ich für heute Nacht mein Zelt auch auf seiner Parzelle aufbauen und Geld sparen. Klasse. So kann ich noch eine Nacht hierbleiben und auch den Strand und die Ruhe noch einmal genießen.

 

Weil bei meiner weltweiten Krankenversicherung USA und Kanada ausgeschlossen sind, um Geld zu sparen, fühle ich mich irgendwie nicht richtig wohl hier und ich mache mich auf den Weg, das Land zu verlassen. Ich werde aber definitiv noch einmal herkommen, nachdem ich in Deutschland ein bisschen Geld verdient habe. Es ist einfach ein ganz interessantes Land mit tollen Leuten. Für mich geht’s jetzt erstmal weiter nach Mexico. Ich möchte die Baja California befahren.




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