Über Vietnam und Laos

Von China nach Thailand

20.11.2016

Meinen zweiten Geburtstag auf der Straße verbringe ich in China. Zur Feier des Tages mache ich einen sehr langen Stadtspaziergang durch das Grenzkaff und beobachte die Leute. Gar nicht weit vom allgemeinen Trubel stehen ein paar Leute mit Koffern und Kram am Fluß und schauen über die Befestigung. Das ist interessant und ich schlendere dorthin, um auch über den Fluß nach Vietnam zu schauen. An dieser Stelle war mal ein Bootsanleger mit Treppen und einer dicken, hohen Kaimauer, die jetzt mit viel Stacheldraht gesichert ist. Ich sehe ein paar Boote, die auf dem Fluß unterwegs sind und die Leute, die mit ihrem Zeug ein paar Meter neben mir stehen, beobachten mich. Ein paar Minuten später wird mir auch klar, was hier los ist.

Ein Boot legt an, der Bootsmann springt heraus und legt eine lange Leiter an die Kaimauer, damit eine Dame mit Koffer zu ihm hinüberklettern kann. Beide laufen schnell zum Boot und legen ab. Ich kann es mir nicht verkneifen, noch einmal zu winken bevor sie verschwinden. Der Bootsmann winkt lachend zurück, während die Dame lieber in die andere Richtung schaut. Und schon hält das nächste Boot an und eine weitere Person springt heraus, schnappt sich die Leiter und ab über den Stacheldraht. Weitere Boote bringen Leute mit interessanten Paketen, die über den Stacheldraht gereicht werden und dann mit Mopeds weiter transportiert werden. Ich habe die Schmuggler gefunden und mache lieber keine Fotos von der Aktion.

Am nächsten Tag geht’s für mich rüber nach Vietnam. Die Grenze ist in dieser Richtung schnell überquert und zur Begrüßung gibt es ein herzliches „Welcome to Vietnam“ von einem Motocycle – man. Ach Dankeschön. Ich fühle mich wirklich sehr willkommen in Eurem Land. Die Grenzstadt auf der vietnamesischen Seite ist so schön, dass ich hier noch einen Tag bleibe. Bei meinem Stadtspaziergang wird mir auf dem Schwarzmarkt ein Grenz – Überquerungs – Permit angeboten. Die Leute verkaufen hier die benutzten Permit, mit denen man jederzeit schnell nach China ein- und ausreisen kann. Das Foto des Vorbesitzers wird mit dem Foto des neuen Besitzers mit Tesafilm überklebt... Der Name und die persönlichen Angaben des Vorbesitzers bleiben bestehen. In den Permits sind schon ein paar Stempel drin und sofort einsetzbar... Kosten nur ein paar Dollar. Die Verkäuferin bestätigt mir, dass das auch für mich gültig wäre. Ich fass es nicht. Die Chinesen veranstalten einen Affenzirkus, wenn ich mit offiziellem Visum einreisen möchte, aber lassen hier die Vietnamesen mit gefälschten Permits mit übergeklebten Fotos vom Kindergeburtstag einreisen...

Vietnam ist wunderbar. Ich mag das Land und die Leute. Als ich durch ein kleines Dorf fahre, sehe ich einen schönen Obststand mit leckeren Äpfeln. Weil ich in Gedanken schon hineinbeiße und die Äpfel einen Moment zu lange anstarre, sehe ich die kleine Mauer nicht, die direkt vor meinem Rad auftaucht. Ich verliere das Gleichgewicht und falle direkt vor dem Obststand auf die Nase. Zum Glück kann ich mich gut abrollen und als ich unter meinem Rad hervorklettere, kommt auch schon der Obstverkäufer und hilft mir hoch. Er ist mehr erschrocken als ich und will mich sofort verarzten. Jod, Pflaster und Mullbinden werden schnell hervorgekramt. Ich freue mich über so viel Hilfsbereitschaft, aber ich hab mich gar nicht verletzt. Also klopfe ich mir nur den Staub von den Klamotten, kaufe ein paar Äpfel und verabschiede mich von dem verdutzten netten Mann, der zum Abschied erleichtert lächelt.

Es ist nicht gerade die perfekte Reisezeit, weil gerade Monsoon ist und so fahre ich durch viel Regen, Wind und Sonne. Ich mag den Regen, denn hier ist der Regen erfrischend und nicht so kalt wie in Deutschland. Es regnet viele Stunden bei Temperaturen von 30 - 35 Grad. Das fühlt sich an wie in der Dampfsauna. Die Leute ziehen sich Plastikanzüge und Ponchos an, damit sie nicht nass werden und verstehen nicht, dass ich in meiner Radsportbekleidung fahre. Aus Mitleid schenken sie mir Plastikponchos auf der Straße. Einen Tag muss ich pausieren, weil ein Typhoon mit heftigen Böen meinen Weg kreuzt.

Laos ist das Land mit den schönsten Schmetterlingen und den vielen Wasserbüffeln. Ich genieße die Ruhe und die Natur in diesem Land sehr. Alles ist so schön grün hier. Die Reisfelder sind jetzt hoch gewachsen und die Leute in ihren bunten Klamotten und den breiten Strohhüten strahlen und winken mir zu, wenn ich vorüber fahre. Ich bin glücklich hier. In den Bergen kuckt mich ein Mopedfahrer beim Überholen so lange an, dass er die Kurve vor ihm nicht sieht und direkt im Graben landet. Auweia. Das geht so schnell, dass ich gar keine Zeit habe, ihn zu warnen. Ich stoppe sofort mein Rad und helfe ihm, unter seinem Moped hervorzuklettern. Dabei frage ich ihn, ob alles OK ist. Er ist etwas benommen, aber hat sich scheinbar nichts gebrochen. Schnell sammle ich seinen Helm und die Mütze von der Straße, als auch schon andere Leute anhalten. Gemeinsam richten wir das Moped auf und ich pule ihm den Farn von der Brille und aus dem Haar. Er lächelt und als mir alle bestätigen, dass nun alles OK ist, fahre ich weiter. Kurze Zeit später überholt er mich mit einem breiten Grinsen und bedankt sich noch einmal bei mir. Ich bin sehr erleichtert, dass alles gut gegangen ist.

Zurück in Bangkok geht der Visa – Spaß wieder los. Ich freue mich wie ein König, dass ich das Visum für Myanmar bekomme. Leider hat die Regierung von Myanmar vor ein paar Monaten die Gesetze geändert und nun darf man nur noch über die gleiche Landesgrenze ausreisen, über die man eingereist ist. Eine Durchreise von Thailand über Myanmar nach Indien ist somit nicht mehr möglich. Das Visum für Indien über 6 Monate stellt das Konsulat in Bangkok nicht mehr aus und somit muss ich eine andere Lösung für dieses Problem finden.

Weil ich wegen der Fahrradreparatur ein paar Tage in Bangkok warten muss, habe ich genug Zeit, um mit meinem Freund Pablo aus Argentinien ein paar Tage Unsinn zu machen. Wir essen und lachen viel, spielen Poi und Ukulele und lassen den Tag einfach einen guten Tag sein. Ich freue mich, dass Bok Bok Bike in Bangkok mein Fahrrad so gut repariert. Nach 26.000 km ist der komplette Antrieb fällig und der nächste Fahrradladen mit Rohloff – Service wird für mich erst wieder in ca. 20.000 km erreichbar sein. Mein bester Freund aus Hamburg schickt mir eine Radsportjacke von unserem Team und die Navigationskarte von Afrika und nach einer tollen Zeit in Bangkok bin ich komplett erneuert auf dem Weg nach Myanmar.

Obwohl ich weiß, dass die Sicherheitslage in Myanmar nicht stabil ist, freue ich mich doch sehr, dieses interessante Land und die Leute zu besuchen.




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